5 Jahre und kein bisschen leise

Am 1. April 2009 feiert dreiplus mit seinem Gründer Hubertus Andreae sein 5jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wollen wir einen kleinen Rückblick aber auch Ausblick in die Zukunft wagen.

Auch wenn Sie am Markt sehr aktiv sind und sich als Branchenfachmann einen Namen gemacht haben, bitte beschreiben Sie kurz Ihre Tätigkeitssegmente:

Ich unterstütze Unternehmen der Elektro- und Elektronikbranche bei der Optimierung ihrer Unternehmensprozesse. Das betrifft in vielen Fällen fast alle Unternehmensbereiche. Das übergeordnete Ziel ist die Leistungs- und Kostenoptimierung zum Kunden- und Unternehmensnutzen. Ein weiterer Teil meiner Tätigkeit ist die Weiterbildung. Ich führe Seminaren beim FED (Fachverband Elektronik Design) durch bzw. halte Inhouseseminare ab. Ein weiterer Zweig sind meine Publikationen. Ich versuche somit meine Erfahrungen Dritten kontinuierlich zu vermitteln.

Was hat Sie damals bewogen sich selbstständig zu machen?

Nach 31 Jahren im Angestelltenverhältnis auf der OEM Seite (BOSCH und Motorola) und den letzten Jahren als Geschäftsführer bei der BuS Elektronik (EMS) hat mich die Aufgabe gelockt, mein breites Wissen einer größeren Anzahl von mittelständischen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Mit ein Auslöser war der EMS Award 2003. Das Unternehmen hat damals diesen begehrten Preis erhalten, maßgeblich für Leistungsmerkmale, die ich in meinen Risaer Jahren vorangetrieben habe. Interne Prozessoptimierung stand an oberster Stelle. Dieser Erfolg hat mich sehr motiviert, diesen Weg der Prozessoptimierung weiter auszubauen. Viele Menschen haben sich damals gefragt: wie kann man nur freiwillig aus einer sicheren Anstellung als Geschäftsführer eines anerkannten Unternehmens ausscheiden? Mein Erfolg, der nun schon seit 5 Jahren anhält, gibt mir Recht. Es besteht ein großer Bedarf an qualifizierter Unterstützung. Ganz besonders heute, wo Kapazitäten und Know-how in vielen Unternehmen fehlen.

Warum setzen die Unternehmen die Prozessoptimierung nicht alleine um?

Oft fehlt die Zeit, teilweise das Know-how oder oft einfach nur die Kraft mit Kontinuität an diesen kritischen Themen zu arbeiten.

Was war der größte Lernfaktor in Ihrer Berufslaufbahn?

Mein größter Lernfaktor waren Probleme, die ich vorgefunden habe - je größer die Störgrößen waren, umso größer war meine persönliche Lernkurve. Bei der persönlichen Bearbeitung dieser Probleme entwickelte ich hartnackig Lösungen, was in der Regel auch funktionierte. Heute bin ich meinen ehemaligen Arbeitgebern sehr dankbar dafür, dass sie nicht perfekt funktionierten, denn nur dadurch habe ich mich dazu entwickelt, was ich heute bin. Auf keinen Fall sind es die perfekten Organisationen, die ich angeblich vorgefunden habe. So mancher meint, dass man etablierte Lösungen in dieser Beratungsarbeit einfach nur abzukupfern braucht. Dieser Irrglaube und die fehlende Erfahrung von vielen Beratern ist der Grund dafür, dass viele Beratungsfirmen bei den Unternehmern „verbrannt” sind. Die Kunden benötigen spezifische Lösungen, zumindest Lösungen, die spezifisch angepasst werden. Ein weiterer Faktor für den Erfolg ist Führungserfahrung – man muss die beteiligten Menschen auf den neuen Weg mitnehmen und sie dafür begeistern.

Der Individualfaktor spielt also eine wichtige Rolle?

Auf alle Fälle. Man kann nicht ein Unternehmen nach Lehrbuch führen oder beraten. Die Vielzahl von Fehlern und Einflussmöglichkeiten benötigt viel Umsicht und Erfahrung bei der Beratungsarbeit. Man muss erkennen, wo die Hauptnegativeinflüsse sind, dafür Konzepte erarbeiten und dann führungstechnisch sensibel mit den beteiligten Mitarbeitern zusammen aufbauen. Mit der Brechstange Projekte zu begleiten, bringt keinen nachhaltigen Erfolg. Bei dieser zusätzlichen Führungsaufgabe, die viele Berater der großen Beratungsunternehmen nicht aufweisen können, kommen mir meine ca. 30 Jahre Führungserfahrung sehr zu gute.

Wie verhalten sich denn die Mitarbeiter bei solchen Projekten?

Das ist sehr individuell. In der Regel werde ich mit offenen Armen empfangen. Nach dem Motto: „…endlich erhalten wir professionelle Hilfe…”. Aber es gibt auch Fälle, da muss ich sensibel die Gründe für notwendige Veränderungen vermitteln. Ich muss beispielsweise deutlich machen, dass sich die Märkte, die Kundenwünsche und das Tempo erheblich verändert haben. Dinge also, die die bisherigen Prozesse oft nicht mehr abbilden können. Ich muss also den Mitarbeitern vermitteln, nicht ihr habt versagt, nicht die bisherige Arbeit war falsch. Nein, wir müssen uns den neuen Anforderungen und den veränderten Märkten durch veränderte Prozesse stellen. Der größte Fehler ist, sich auf vergangenen Erfolgen auszuruhen. Nur der, der sich kontinuierlich in Frage stellt und sich von Zeit zu Zeit „neu erfindet” ist der, der langfristig die größte Chance des Erfolges hat.

Wo sind die Hauptprobleme der Unternehmen?

Die Vielzahl ist berauschend. Ich kann alle Register meiner Erfahrungen ziehen. Diese Breitbandigkeit ist ein zusätzlicher Charme meiner Arbeit.

In der Regel bewege ich mich in folgenden Segmenten:

Reorganisation von Materialwirtschaftsbereichen

Optimierung des Vertriebs- und Auftragsmanagements

  • Bereichsübergreifende Prozessvernetzung
  • EDV- und Prozesskoordination
  • Unterstützung in Führungsfragen
  • Fachspezifische Qualifizierungsmaßnahmen
  • Lösung von finanztechnischen Problemen
  • Projektmanagement

Meine Kunden sind Unternehmen mit einer Bandbreite von 50 – 800 Mitarbeitern. Organisationseinheiten, die durch den starken Wandel der Märkte oder durch ihr starkes Wachstum an Leistungsstärke verloren haben. Diese Probleme können aus eigener Kraft nicht mehr gelöst werden, man ist sich der primären und sekundären Ursachen nicht ausreichend bewusst, aber man erkennt den Handlungsbedarf.

Ist das nicht uneffektiv, wenn man an solchen schwierigen Problemen nur temporär arbeitet?

Genau das Gegenteil ist der Fall. In der Regel bin ich 2 Tage bei meinen Kunden und das alle 2-4 Wochen. In dieser Zeit arbeite ich sehr intensiv an den Problempunkten, Organisation und Menschen, so dass meine Partner in den Unternehmen stark von der Alltagsarbeit abgehalten werden. Sie sind „froh”, wenn ich wieder gehe, um sich dann wieder ihrem vollen Schreibtisch zu widmen. Ich allerdings kann dem Tagestrott entfliehen und verhindere, dass ich in den Alltagsthemen verbrannt werde. Ein Umstand der die Kreativität erheblich behindert. Oft sehe ich, dass Menschen in den Unternehmen „müde” werden. Sie erleben täglich den Druck und die Unzulänglichkeiten und haben teilweise die Hoffnung auf Lösungen aufgegeben. Ihnen geht somit langsam die Kraft aus, sich diesen Problemen entgegen zu stemmen. Ein Ergebnis unserer Schnelllebigkeit, Ressourcenknappheit und auch in Teilen von fehlenden Führungstechniken.

Welche Rolle spielt die Weiterbildung in Ihrem Konzept?

Die Weiterbildung ist ein wichtiger Kernbereich aber auch ein Hobby von mir. Ich habe schon immer gerne Menschen bei der Weiterqualifizierung begleitet. Ich vermittle gerne Wissen und Erfahrungen. Mit Seminaren begann auch die Arbeit von dreiplus. Ich startete 2004 mit den RoHS Seminaren und der europaweiten Seminarreihe von MSC/Gleichmann. Heute biete ich meine Fachseminare über den FED (Fachverband Elektronik Design) an, der eine attraktive Plattform für den Mittelstand darstellt. Ich nutze meine öffentlichen Auftritte aber auch, um unzensiert auf Probleme aufmerksam zu machen. Die Leser, die mich aus Veranstaltungen kennen, können das sicher bestätigen. Das gibt meinen Aussagen nicht nur Lebendigkeit, sondern auch die nötige Glaubwürdigkeit um etwas zu verändern. Wie schwer das ist, muss man allerdings auch sagen. Die Menschen wissen oft von Ihren Problemen, können aber im Alltagsgeschäft den Kopf nicht frei bekommen für die Arbeit an Lösungen oder haben keine Zeit an wertvollen Veranstaltungen wie zum Beispiel den jährlichen EMS-Tag in Würzburg oder der jährlichen FED-Konferenz teilzunehmen. Das behindert natürlich die Innovation.

Wo sehen Sie die Elektronik Branche in den nächsten Jahren?

Zuerst möchte ich sagen, dass wir nicht am Abgrund stehen - zumindest nicht die Branche. Sicher wird das Jahr 2009 schwierig. Solche Jahre hatten wir aber auch zu Beginn dieses Jahrtausends und vorher. Solche Zeiten sind immer schwierig, stellen aber auch Chancen dar. Es werden Marktverzerrungen beseitigt und die Unternehmen, die an der Leistungsverbesserung gearbeitet haben, belohnt. Natürlich gibt es auch Verlierer. Die Ursachen liegen aber nicht im Jahr 2009, sondern in Fehlern, die viel früher gemacht wurden. Ich glaube allerdings fest an den nachhaltigen Erfolg der Branche. Aber nur wenn einige wesentliche Voraussetzungen erfüllt werden.

  • Es muss kontinuierlich an der Prozessoptimierung gearbeitet werden. Prozessoptimierung im ganzheitlichen Unternehmenssinn und nicht nur in der Technik. So gelingt es uns, die Leistungsstärke und die Ertragsstärke der Unternehmen spürbar zu erhöhen.
  • Als nächstes benötigen die Unternehmen prozessorientierte ERP-Systeme und Organisationen und nicht wie heute reine funktionsorientierte Abläufe. Diese Maßnahmen unterstützen wesentlich den ersten und den nächsten Punkt.
  • Wir benötigen qualifizierte Mitarbeiter, die uns in den nächsten Jahren auf Grund der gesellschaftlichen Veränderungen immer mehr ausgehen werden. Hier sind Unternehmensstrategische und führungstechnische Maßnahmen gefragt.

Ohne diese Maßnahmen werden wir die Möglichkeiten, die sich uns heute und in der Zukunft eröffnen, nicht nutzen können. Ich bin der Überzeugung, dass wir aus Kosten- und umwelttechnischen Gründen zur regionalen Fertigung für regionale Märkte, d.h. Europa für Europa, Asien für Asien etc. zurückkommen werden. Diese Chance sollten wir nutzen, die Vorbereitungen laufen bei einigen Unternehmen auf Hochtouren, aber bei vielen eben noch nicht. Dort sehe ich auch eine meiner aktuellen und zukünftigen Aufgaben.

Letzte Frage, was bedeutet für Sie persönlich dieser Meilenstein 5 Jahre?

Ich bin stolz auf den Erfolg meiner Tätigkeit. Ich bin stolz auf meine Kunden, die mir Vertrauen schenken und den mühevollen Weg der Veränderung gehen. Ich bin dankbar für alle Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben. Aber auch ich werde mich verändern. Anlässlich meines 5jährigen Jubiläums habe ich mich entschlossen, mein Logo und meine Internetseite radikal zu verändern. Auch hier möchte ich meine Erfahrungen der letzten Jahre einfließen lassen. Es macht mir Spaß meinen Kunden zu zeigen, auch ich muss und kann mich Veränderungen unterwerfen.

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