Unternehmensberatung für die EMS-Branche

FED kontakt sprach mit Hubertus Andreae von dreiplus

Herr Andreae, Sie sind als Unternehmensberater in die Selbständigkeit gewechselt mit dem Wissen, dass das Image dieser Branche teilweise umstritten ist. Wie begegnen Sie dem?

Ja leider ist dies so und die Ursachen sind vielfältiger Natur. Doch wie so oft im Leben sollte man sich die Arbeitsmethoden der Unternehmensberater zunächst genauer ansehen und man wird feststellen, dass nicht alle über einen Kamm geschert werden dürfen. Ein wichtiger Ansatz dem schlechten Image entgegenzuwirken ist der Faktor Vertrauen. Ohne Vertrauen und Respekt vor der Leistung der Mitarbeiter in den Unternehmen lässt sich keine vernünftige Unternehmensberatung realisieren.

Bitte geben Sie uns einen kleinen Einblick in Ihre berufliche Entwicklung und die Beweggründe, ein gesichertes Angestelltenverhältnis zu tauschen gegen eine selbständige Unternehmensberatung.

Meinen Berufsweg vor der Selbständigkeit kann ich in 3 Phasen unterteilen. 24 Jahre war ich bei der Fa. Robert Bosch in unterschiedlichen technischen und kaufmännischen Funktionen tätig. Daran schlossen sich 4 Jahre Einkaufsleitung bei der Fa. Motorola GmbH an und schließlich war ich 4 Jahre bei der BuS Elektronik GmbH & Co.KG als kaufmännischer Leiter und 3 Jahre in der Geschäftsleitung tätig. Ein Auslöser in die Selbständigkeit zu wechseln war der E2MS Award 2003. Die BuS Elektronik GmbH & Co.KG hatte diesen begehrten Preis erhalten, maßgeblich für Leistungsmerkmale, die ich in meinen Risaer Jahren mit vorangetrieben habe. Dieser Erfolg war für mich ausschlaggebend das Thema Prozessoptimierung weiter auszubauen, was schließlich in der Selbständigkeit mündete. Der bereits über 5 Jahre anhaltende Erfolg unterstreicht für mich die Richtigkeit der seinerzeit getroffenen Entscheidung.

Warum nutzen Unternehmen externe Fachleute für die Prozessoptimierung?

Die Hintergründe sind vielfältig. In den meisten Fällen haben die Unternehmen eigene Fachleute, die diese Arbeit durchführen könnten. Doch die sind in aller Regel sehr stark in dem Alltagsgeschäft eingebunden, so dass sie nicht die Zeit haben, diese anspruchsvolle Arbeit „nebenbei” zu bewältigen. Hier ist der von außen kommende Berater eine temporäre Kapazitätszuführung, sozusagen ein Zeitarbeiter auf Managementebene. In anderen Fällen haben sich Organisationen während ihres Wachstums in der komplexen Prozesswelt „verlaufen”. Unternehmen unterschiedlicher Größenordnungen benötigen unterschiedliche Prozesse. Wenn man innerhalb des Wachstums keine Prozessanpassung vornimmt, kann das zu größeren Problemen führen. Da aber bei starkem Wachstum oft der Faktor Zeit der größte Engpass ist und zusätzlich oft auch die Erfahrungen fehlen, greift man auf externe Hilfe zurück. Aber auch mangelnden Kommunikationsfähigkeit der unterschiedlichen Bereiche kann dazu führen, dass externe Hilfe hinzugezogen wird. In solchen Fällen ist neben dem Prozess- und Fachwissen die Führungsqualifikation und die Moderationsfähigkeit des Beraters gefordert.

Können Sie uns kurz schildern, was Ihr Unternehmen gegenüber anderen Unternehmensberatungen auszeichnet?

Man muss authentisch sein, denn die Menschen spüren sofort, ob ihnen etwas vorgespielt wird. Zudem sind die Beteiligten stolz auf ihre Arbeit und können es nicht ertragen, dass ihnen nun ein Externer erklären will, was sie alles angeblich falsch machen. Die hohe Kunst der Beratung ist also, das offene Hinterfragen der aktuellen Prozesse, das Überprüfen der Stärken und Schwächen, das Abgleichen mit möglichen Verbesserungen und die anschließende offene Kommunikation mit den beteiligten Mitarbeitern. Daraus resultiert die gemeinsame Entscheidung über Optimierungsmaßnahmen.

Ein weiterer Punkt: In keinem meiner Beratungsprojekte, die ja das Hauptziel der Ertragssteigerung, Risikominimierung und Wettbewerbssteigerung haben, kam ich zu dem Schluss, dieses Ziel über Mitarbeiterabbau zu erreichen. Ich bin immer wieder überrascht über das, was man oft in der Presse liest: „Unternehmensberatung empfiehlt 10.000 MA oder sogar 15.000 MA abzubauen etc.”. Wenn es wirklich so sein sollte, dann haben hier die Vorgesetzten in der Vergangenheit eine ausgesprochen schlechte Arbeit geleistet und nutzen jetzt eine Unternehmensberatung, um die Schmutzarbeit zu machen. In dem einen oder anderen Fall wollte man mich innerhalb meiner Beratungsarbeit auch zu solchen Empfehlungen drängen. Empfehlungen, die nicht meiner Überzeugung entsprachen, denn in keinem meiner Projekte war die Anzahl der Mitarbeiter das ursächliche Unternehmensproblem. Ich habe und werde mich nicht dazu hergeben, eine derartige „Politik” zu unterstützen. Das widerspricht meinem Qualitätsanspruch an meine Arbeit und dem Respekt gegenüber den betroffenen Menschen.

Herr Andreae, wir danken für die offenen und interessanten Antworten auf unsere Fragen und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Erschienen in der FED kontakt – Ausgabe 3 / Oktober 2009

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